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Wir waren fast im Irak...

Die syrische Grenzstation war noch kleiner als die türkische. Trotzdem ging das Ausfüllen der Carnets des Passages und der Pässe zügig und ohne Probleme voran, während wir die Lage vom Bus aus überwachten. Circa eine halbe Stunde später waren wir wieder unterwegs auf einer unvorstellbar schlechten Straße in Richtung Ar Raqqah. Unsere Menschen tankten billiges syrisches Diesel – bei der hohen Dieselsteuer, die wir an der Grenze zahlen mussten, muss es sich ja irgendwie lohnen…. Die Menschen am Straßenrand winkten uns zu, wuh, wuh, wuh! Alle versuchten mit uns Hunden zu reden. Wir haben auf deutsch bzw. englisch zurück gekläfft. Nur Tante Kyra kläffte arabisch und gab mächtig damit an. Später als die Straße etwas besser wurde, fast schon wie eine Straße zuhause in Orangenland, suchten wir uns einen gemütlichen Nachtplatz hinter ein paar kleinen Hügeln und entspannten uns erst mal richtig von den Grenzaktivitäten und dem Harrankindertrauma.

Das Mädchenschloss in Ar Raqqa
Das Mädchenschloss in Ar Raqqa

Die neue Moschee von Ar Raqqa
Die neue Moschee von Ar Raqqa

Ar Raqqah hatte für uns Hunde kaum was zu bieten. Das Qasr al Binet oder Mädchenschloss besteht aus ein paar zugegeben schönen Ruinen, liegt aber mitten in der Stadt, so dass es für uns Hunde denkbar ungeeignet war. Obwohl es von einem Zaun umgeben ist, gab es gleich unendlich viele Wuh-Wuh-Zuschauer, und zwar nicht nur Kinder. Selbst Erwachsene meinten, sie müssten uns mit ihren Fremdsprachenkenntnissen imponieren. Der Boss fragte die Leute mehr als einmal, was sie nun eigentlich sein wollten: Syrer oder Hunde. Ihn hat es genervt, dass wir Hunde immer versuchten, den Menschenkläffern zu antworten, wodurch es jedesmal ein endloses Gekläffe gab. Eines ist nämlich klar: Wir Hunde haben immer das letzte Wort, wenn uns einer ankläfft... Also ich fand, die Leute waren nett dort, wenn auch ein wenig komisch wegen der Kläfferei. Und keiner hat mit Steinen geworfen, schon mal was! Trotzdem, Ar Raqqah hat sich nicht sehr in mein Gedächtnis eingebrannt, nicht im Guten, nicht im Schlechten.

Ari und ich in Halabiyes Ruinen
Ari und ich in Halabiyes Ruinen

Die Straße nach Dayr az Zawr ist richtig gut, wenn man von den Ortsdurchfahrten einmal absieht. Obwohl uns während der Mittagspause ein unglaublich aufdringlicher Bengel nervte, der unbedingt Chefin's Fahrrad haben wollte, muss ich sagen, die Strecke hat mir gefallen. Vor allem war immer etwas los, wenn unsere Menschen einkaufen gingen. Da wurden wir Hunde bewundert und angestarrt, und unseren Menschen war zumute wie Zirkusleuten auf der Reise. Einmal haben wir sogar Brot von einer Bäckerei geschenkt bekommen, einfach so, und für Chefin und Boss gab' s zudem noch einen Tee, zuckersüß. Der Abstecher nach Halabiyah – Zalabiyah haben wir uns erspart – wäre nicht weiter erwähnenswert gewesen, hätte ich dort nicht eine richtig gefährliche Schlange gesehen, eine ausgewachsene Hornviper. Ich bin so erschrocken, dass ich schier dem Boss auf die Schultern gehüpft bin, der seinen Fotoapparat bereits schussfertig hatte und deshalb entsprechend sauer war. Dann ist die Schlange aber stillschweigend abgehauen, und ich hab mir ihr Schlupfloch vorsichtig aus der Ferne angeschaut. Tante Kyra meinte später, das hätte auch ganz dumm ausgehen können, denn diese Vipern sind richtig gefährlich und greifen manchmal sogar Hunde an.

Die Ruinen von Halabiyah sind aus merkwürdigem Gestein gebaut und glänzen an manchen Stellen wie kleine Spiegel in der Sonne. Onkel Ari, Lara und ich sind zusammen mit der Chefin ganz hinauf geklettert, bis auf die Spitze des Ruinenberges, von wo aus man den besten Blick über den Euphrat-Fluss hat. Kaum waren wir oben, da kam doch tatsächlich ein Bus voller Schulkinder auf den Parkplatz gefahren, und die Kinder rannten wie die Verrückten den Berg hinauf, weil sie vermutlich noch nie Hunde in Ruinen gesehen hatten. Aber diesmal wir waren alle drei total anständig und haben nicht einmal gekläfft. Nur als einer der Schulbuben ganz arg provozierend auf mich zu rannte und kläffte, hab ich mich umgedreht bin ich zwei oder drei Schritte auf ihn zugegangen. Da hat der abgedreht wie ein Irrer und ist den Berg hinunter gerannt über Steine und Felsen bis er dann eine Böschung hinunterstürzte und dort erst mal heulend liegen blieb. Ich hab mir das alles aus der Ferne an geguckt und fühlte mich kein bisschen schuldig. Warum sind die Kinder in manchen Ländern nur so damisch und müssen uns Hunde ärgern. Wir springen doch auch nicht einfach so auf Kinder zu und kläffen „Bakschisch, Bakschisch“. Also dem Jungen scheint nichts ernsthaftes passiert zu sein, dann ich sah unten den Boss sitzen, der sich auch alles mit anschaute, aber nicht einmal aufstand, sondern weiter fotografierte. Der Boss ist bekanntlich Arzt, und wenn dem Jungen was passiert wäre, hätte er ihn sicherlich längst verarztet gehabt, ehe wir auch nur die Hälfte des Berges herunter gekommen wären. Das viele Geröll dort machte den Weg nämlich recht rutschig für die Chefin, die ja nur Zweibeinantrieb hat und nicht wie wir Hunde Vierbein. Am Schluss sind wir noch am Euphrat entlang gelaufen, doch da haben wir bald Reißaus genommen wegen der unendlich vielen Stechfliegen, die sich dort sofort auf einen stürzten.

Abendstimmung am Qal'at al Rahbeh
Abendstimmung am Qal'at al Rahbeh

Dayr az Zawr, die nächst gelegene Stadt passierten wir ohne Halt. Es gab auch nicht viel zu sehen, bis auf die relativ neue, ziemlich schmuddelige arabische Stadt eben. Am Nachmittag erreichten wir dann Qal'at al Rahbeh, eine alte Burgruine, die imposant auf einem Hügel sitzt. Unsere Menschen parkten auf dem nächsten Hügel, so dass wir prima die Burg von außen anschauen konnten. Rein wollten unsere Menschen aber nicht, weil alles sehr zerfallen und baufällig aussah. Am Abend kamen neugierige Syrer und wollten uns ein paar junge Hunde andrehen. Der Boss konnte das gerade noch verhindern. Als ob wir vier nicht schon genug wären. Mit Rudi und unseren Menschen sind wir schließlich ein Siebenerrudel. Völlig OK so! Wir tobten um unseren Bus herum, während unsere Menschen die Burg im Licht der untergehenden Sonne fotografierten und dabei von immer neuen Einheimischen begrüßt und bestaunt wurden. Aber die Leute waren dort alle nett zu uns Hunden.

Mitten in der Nacht wären wir dann aber beinahe ausgerastet. Da klopfte doch tatsächlich einer ans Auto und zwar ganz schön heftig, so dass der Boss mit ziemlichem Zorn raus gerannt ist und anfing zu schimpfen. Da waren drei so Typen draußen, die meinten, sie wären von der Polizei, und wir dürften hier nicht stehen mit unserem Bus. Der Boss ließ sich aber nicht verjagen, sondern diskutierte eine Weile mit denen herum. Als schließlich klar war, dass unsere Menschen aus Kaltland kommen und wir Hunde aus Orangenland, hatten sich die drei Polizisten beruhigt. Ein kurzer Telefonanruf bei der syrischen Überwachungspolizei bewirkte letztlich, dass wir nicht nur unbehelligt stehen bleiben durften, sondern der Boss wurde auch noch zum Tee und zum Essen eingeladen. Die Chefin schlief derweilen lieber weiter und wir Hunde auch, froh, dass wir nicht wie in der Türkei bei nacht wegfahren mussten.

Ari und Oberboss in Dura-Europos
Ari und Boss in Dura-Europos

Chefin und Lara in Mari
Chefin und Lara in Mari

Auf Drängen der Chefin besuchten wir am nächsten Morgen Dura Europos, auch so eine alte Ruinenstadt am Euphrat. Onkel Ari durfte mit rein, wir anderen blieben im Auto sitzen, weil kaum dass wir angekommen waren, bereits eine Horde johlender und Steine werfender Kinder da war, die erst nach dem wütenden Eingreifen des Ticketverkäufers verschwanden. Einmal sind die Kinder total nett, das andere mal total bescheuert. Wie soll man bloß mit diesen Bengels klar kommen. Wir haben ihnen doch nichts getan, warum können die uns denn nicht in Ruhe lassen. Lara meinte, wenn das so weiter geht, nehme ich mir wirklich einen dieser Rabauken vor. Ich beiß ihn in den Arsch wie in Harran besprochen, damit er mal weiß, was es heißt uns Hunde zu ärgern. Die nächste Besichtigung durfte dann Lara mitmachen. Es war in Mari, auch wieder uralt und weitgehend zerfallen. Dort gab es aber keine Kinder, die man in den Hintern hätte beißen können, nur erwachsene Menschen, und die waren nun wieder alle total freundlich. Da waren sogar Leute aus Kaltland, die genau so sprachen wie die Chefineltern, und es stellte sich rasch heraus, dass die auch Schwaben waren, also ganz aus der Nähe zu dem Ort, in dem wir in Kaltland immer wohnen. Diese Leute waren mit Mietauto und Zug unterwegs, und sie fanden ihre bisherige Reise ganz toll. Wir unsere auch, bloß das mit den Kindern passte nicht so recht in das Bild, das ich von unserer letzten Syrienreise hatte. Als Tante Kyra uns dann mitteilte, sie hätte soeben aufgeschnappt, dass unsere nächste Station Palmyra wäre, waren wir ganz schön aus dem Häuschen und tobten übermütig im Bus herum. Palmyra, und dort einen schönen langen Ruinenspaziergang. Ob Tante Lia auch dort sein würde?

Die Straße von Dayr az Zawr nach Palmyra ist bestens ausgebaut. Die Chefin fuhr wie der Teufel. Der Boss fütterte sie währenddessen mit Pistazien. Das muss er immer dann tun, wenn sie nicht so gut drauf ist. Nur wenn sie genug zu futtern hat, ist sie gut drauf. Nun, am späten Nachmittag waren wir in Palmyra. Alles sah genauso aus wie beim letzten Besuch, nur Tante Lia war leider nicht da. Also machten wir die Ruinenspaziergänge alleine. Dann gab es was Feines zum Essen, und kaum war es nacht, zogen unsere Menschen und Onkel Ari davon um Nachtfotos zu schießen. Das hab ich zwar nciht so ganz kapiert, das Ganze, denn wenn es nacht ist, gibt es doch bloß nachte Fotos, aber Tante Kyra meinte, die wissen schon was sie tun und schnarchte dann in ihrer Fahrerkabine weiter. Lara und ich waren auch irgendwie eingeschlafen, als ich plötzlich von einem heftigen Donnerschlag geweckt wurde und ganz erschrocken feststellte, dass unsere Menschen noch nicht wieder zurück waren. Da fing es auch schon an heftig zu regnen, so einen starken Regen hat es hier vielleicht noch nie gegeben. Der Regen spritze sogar durch das einen Spalt offene Dachfenster herein. Lara machte sich sofort Sorgen, dass wir ertrinken würden, wenn das Auto voll liefe und weckte Tante Kyra auf. Die fing an ganz nervös zu bellen, wie sie das immer tut, wenn sie sich um den Boss Sorgen macht. Aber dann hörten wir draußen ein heftiges Patschen und Schnaufen. Unsere Menschen kamen angerannt, triefend nass und ganz außer Atem, und Onkel Ari war auch ganz pitschnass. Die Fotoapparate hatten sie unter den Pullovern versteckt, damit die nicht auch noch nass würden. Als sie die Bustüren auf machten, kam gleich mal ein ganzer Schwall Wasser herein, aber Lara war nun beruhigt, denn solange man die Bustüren aufmachen konnte, würde das Wasser aus dem Bus auch wieder ablaufen können. Also, Lage wieder unter Kontrolle. Boss machte noch einen heißen und süßen Beduinentee und bald schon schliefen wir vom Trommeln der Regentropfen auf dem Busdach ungerührt wieder ein.

Ich träumte von Palmyra in der Sonne und tatsächlich, als ich morgens aufwachte, schien mir die Sonne durch's Fenster herein ins Gesicht. Der Regen war vorbei. Die Luft war herrlich klar, als wir zu unserem Ruinenspaziergang aufbrachen. Es war vor allem ganz toll, all die Sachen nochmals anzuschauen, die wir schon einmal gesehen hatten. Und dann waren sie plötzlich da, die Kinder. Zuerst nur zwei, die von unseren Menschen Geld wollten oder ihnen irgendwelches Zeug verkaufen wollten, doch dann kamen immer mehr. Je mehr sie sich zusammen rotteten, desto mehr fingen sie an uns anzukläffen, kleine Steinchen zu werfen oder drohend auf uns zu zuspringen. Der Boss sagte mehrmals zu zwei besonders frechen Jungen, sie sollten mit dem Unfug aufhören, weil wir Hunde sonst ärgerlich würden. Doch die Kinder hörten nicht auf. Je mehr der Boss schimpfte, desto mehr fingen sie an uns zu ärgern. Der Boss schimpfte sogar auf Arabisch, aber es nützte alles nichts. Tante Kyra war schon richtig sauer, hielt sich nur noch deshalb zurück, weil der Boss es ihr immer wieder sagte, aber Lara konnte man ansehen, dass sie gleich explodieren würde. Als dann einer der Jungen wieder mit einem Stein warf, machte Lara ihr Versprechen wahr und biss den Frechdachs tatsächlich in den Arsch. Der ist dann heulend vor Angst herum gehüpft und hat hinter dem Boss Deckung gesucht, während die restliche Kindermeute kreischend davon lief. Diesmal schimpfte der Boss nicht Lara oder uns Hunde, sondern den Jungen und sagte ihm, dass er selber schuld sei, und dass wir Hunde uns lediglich gewehrt hätten. Und er sagte ihm auch, dass, wenn die Kinder es wieder so machen würden, alle Hunde sie beißen würden. Der Junge rannte weg, und von da an blieben die Kinder in respektvoller Entfernung. Selbst als wir dann mit Chefin und Boss auf der Terrasse des Zenobia Hotels saßen und unsere Menschen Tee tranken, blieben alle auf Distanz und keiner machte uns mehr an. Vielleicht sollten wir öfters zeigen, dass wir uns zu wehren wissen, dann haben wir mehr Ruhe.

Blick auf Damaskus
Blick auf Damaskus

Von der langweiligen Fahrt nach Damaskus gibt es nicht viel zu berichten, außer dass wir sie zweimal machten, weil der Boss seinen Reisepass im Zenobia Hotel vergessen hatte. Nachdem wir also die Strecke Palmyra - Damaskus insgesamt drei mal zurückgelegt hatten, wollten wir uns Damaskus von oben anschauen und sind deshalb auf einen Berg hinauf gefahren, von dem aus man die ganze Stadt überblicken kann. Die Aussicht war echt berauschend, aber dafür wurden wir von Bettelkindern belästigt, die nichts anderes im Sinn hatten als an unseren Bus zu klopfen, und das können wir Hunde nun mal gar nicht leiden. Wir kläfften und tobten im Bus während unsere Menschen das herrliche Damaskuspanorama fotografierten. Wenn die Chefin uns nur raus gelassen hätte, wir hätten es der Kinderbande schon gezeigt! Ach so, dann ist noch was Tolles passiert. Da oben gab es ein Lokal oder so ein Café mit einer schönen Terrasse, von aus man einen spitze Blick auf Damaskus hatte. Unsere Menschen wollten da natürlich hinein, haben dann auch gleich einen Tisch in Beschlag genommen, und ich hab alles durch die Fenster beobachtet. Nun war der Boss etwas schneller fertig mit fotografieren und setzte sich daher vor der Chefin zurück an den Tisch im Lokal. Plötzlich standen am Nebentisch zwei junge Damen auf und setzten sich zu unserem Boss. Na so was! Wir haben sofort los gebellt, damit die Chefin gleich nach dem Rechten schaut, doch die hat in aller Ruhe fertig fotografiert und sich dann zu denen an den Tisch gesetzt. Aber irgendwas war los, das merkten wir durch die Glasscheiben, und wir sahen auch, dass die jungen Damen mit Händen und Flüßen gestikulierten. Als unsere Menschen später zurück in den Bus kamen, bekamen wir so nebenbei mit, dass die Damen doch tatsächlich unseren Boss angebaggert hatten - was immer das auch sei. Wahrscheinlich wollten sie Chefin-2 und Chefin-3 werden. Doch damit wären wir nie und nimmer einverstanden gewesen. So viel Platz gibt es gar nicht bei uns im Bus. Und außerdem ist Syrien doch ein islamisches Land, da baggern doch Frauen keine Männer an, oder etwa doch?

Ari im Theater von Shabb
Ari im Theater von Shabba
Die Chefin und ich in Bosra
Die Chefin und ich in Bosra

Nun einen Vorteil hatte das alles. Weil der Chefin diese wilden Weiber nicht ganz geheuer waren, verließen wir Damaskus dieses Mal flugs und fuhren weiter nach Süden, aber nicht auf der schon von früher bekannten Autobahn, sondern auf einer kleinen Straße, angeblich ins Drusenland. Ich fragte Tante Kyra gleich mal, was denn Drusen eigentlich seien. Sie meinte, es wären irgendwelche Steine, die, wenn man sie kaputt klopft, innen Kristalle und Edelsteine enthielten. Toll, Edelsteine suchen! Das ist ganz nach unserem Geschmack. Lara und ich, wir freuten uns schon darauf, die schönsten Steine zu finden. Nach 2 oder 3 Stunden Fahrt wurde die Landschaft plötzlich ziemlich schwarz, fast so wie auf dem Ätna auf Sizilien. Lauter Lava! Doch als dann der Boss plötzlich zur Chefin meine:"Schau mal, die Leute dort in der typischen Tracht der Drusen", waren wir schon etwas durcheinander. Steine in Kleidern? Kyra schubste mit ihrer kurzen Nase den Boss an: "Erkläre uns das mal!". Aber die Chefin war schon am Vorlesen aus dem Reiseführer. So, so, die Drusen sind ein stolzes Volk, das heute noch seine traditionellen Trachten trägt. Also sind Drusen gleichzeitig Menschen und Steine. Hm, merkwürdig! Jedenfalls waren die Menschen dort unheimlich nett zu uns Hunden und außerdem lag nirgendwo Müll herum, alles total sauber. Wir wurden sogar mal zum Tee eingeladen, und da durften zwei von uns Hunden mit dazu sitzen, natürlich waren es mal wieder Ari und Tante Kyra. Wir haben mitten in einer Ortschaft übernachtet und keiner hat Steine geworden, also richtig gut.

Nachdem Ari und Kyra sich Shabba anschauen durften, konnte ich mit unseren Menschen durch die Ruinen von Bosra streifen. Das ist schon ein seltsamer Ort. Alles ganz schwarz, sogar die Straßen, Tempel und Stadttore. Auch gibt es dort ein gewaltiges Amphitheater. Das haben wir fast eine Stunde erkundet. Natürlich wurden viele Fotos geschossen. Ich bin sogar für ein paar Syrer Modell gestanden. Komisch war auch, dass in den Ruinen noch immer Menschen lebten, und an einer der uralten Ruinenstraßen hat mir doch glatt so ein Bengel wieder einen Stein hinterher geworfen. Da hättet ihr aber mal sehen soll, was da abging. Eine ältere Frau sprang so geschwind auf die Straße, dass ich zuerst dachte, die wollte auf uns losgehen. Doch die hat sich den Bengel geschnappt und ihm zwei Watschen gesetzt, dass es nur so geklatscht hat. Also die Drusen sind schon ganz liebe Leute. Zurück im Bus erzählte ich natürlich voll Überschwang von unserer Bosra-Erkundungstour. Doch ehe ich fertig war mit Erzählen fuhren wir schon über die Grenze nach Jordanien. Ups, da waren wir ja auch schon mal gewesen.

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