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Das Problem mit dem Sauerstoff
Mittlerweile dürfte es sich auch beim hinterwäldlerischsten Tauchclub herumgesprochen haben, dass es außer Pressluft auch andere Atemgase gibt und insbesondere sauerstoffangereicherte Luft - sprich NITROX - auch bei uns in Deutschland auf dem Vormarsch ist. Wer noch nie was davon gehört hat, sollte schnell mal ein Seminar über Nitrox-Tauchen besuchen.
Wir alle kennen Sauerstoff, Symbol O, als farb-, geruch- und
geschmackloses Gas, mit schwach magnetischen Eigenschaften. Das Element
steht in der sechsten Hauptgruppe des Periodensystems und zählt damit
zu den Chalkogenen (vergl. Chemiebuch, 6. Klasse).
Sauerstoff ist das häufigste Element auf der Erde. Er kommt hauptsächlich
in der Luft, im Wasser und in der Erdkruste vor. Sauerstoff wurde 1771/72
von dem schwedischen Chemiker Carl Wilhelm Scheele entdeckt, und 1777 näher
beschrieben. Unabhängig von ihm entdeckte auch der englische Chemiker
Joseph Priestley 1774 den Sauerstoff. Dass es sich bei dem neuen Stoff
um ein Element handelte, konnte erst der französische Chemiker Antoine
Laurent Lavoisier in seinen klassischen Verbrennungsversuchen beweisen.
Eigenschaften und Vorkommen
Gasförmiger Sauerstoff kann zu einer blassblauen Flüssigkeit
kondensiert werden (bei -182,96 °C). In diesem Zustand zeigt er starke
magnetische Eigenschaften. Ebenfalls blassblau ist der feste Sauerstoff.
Er lässt sich durch Kompression des flüssigen Elements herstellen.
Sauerstoff hat die Atommasse 15,9994. Unter Atmosphärendruck siedet
Sauerstoff bei -182,96 °C und schmilzt bei -218,4 °C. In der Natur
kommt Sauerstoff in drei Isotopenformen vor: 16O (zu etwa 99,76
Prozent), 17O (zu etwa 0,04 Prozent) und 18O (zu
etwa 0,2 Prozent).
Sauerstoff ist zu 21 Volumenprozent in der Atmosphäre enthalten.
Ungefähr 85,8 Gewichtsprozent des Meerwassers besteht aus Sauerstoff
(reines Wasser enthält 88,8 Gewichtsprozent Sauerstoff). Außerdem
ist Sauerstoff ein Bestandteil fast aller Gesteine und Mineralien - meist
in Form von Oxiden. Er macht etwa 46,7 Gewichtsprozent der Erdkruste aus.
Der menschliche Körper enthält rund 60 Prozent Sauerstoff (vielleicht
sind manche deshalb so explosiv!). Sauerstoff ist der lebenswichtige Anteil
unseres Atemgases Luft. In den roten Blutkörperchen wird er chemisch
an das Hämoglobin gebunden und mit dem Blutstrom durch den Körper
transportiert. In unserem Stoffwechsel wird er zur Energiegewinnung benötigt.
Als Abfallprodukt entsteht dabei u.a. Kohlendioxid.
Es gibt drei Molekülstrukturen, in denen der Sauerstoff auftreten kann. Gewöhnlicher Sauerstoff besteht aus zweiatomigen Molekülen mit der chemischen Formel O2. Im Ozon liegen dreiatomige Moleküle vor: O3.
Die wichtigsten industriellen Produktionsverfahren sind die Elektrolyse
von Wasser und die fraktionierte Destillation von flüssiger Luft.
Das geht so ähnlich wie das Schnapsbrennen. Dabei wird zunächst
Luft zu einer Flüssigkeit kondensiert, die man anschließend
verdampfen lässt. Der in der Luft enthaltene Stickstoff ist leichter
flüchtig als der Sauerstoff. Der Stickstoff verdampft daher zuerst,
wobei flüssiger Sauerstoff zurückbleibt, ein hellblauer Klarer,
der absolut trinkungeeignet ist. Sauerstoff wird üblicherweise unter
hohem Druck in Stahlflaschen aufbewahrt. In solchen kann er auch in einem
Sauerstoffwerk eingekauft werden, z.B. in einer 50 Liter-Vorratsflasche
mit 200 bar Fülldruck.
Da Sauerstoff die Verbrennung fördert , müssen beim Hantieren
mit Sauerstoff besondere Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden. Diese
alle aufzulisten ist mir hier zu viel Arbeit. Eins soll jedoch unbedingt
vermittelt werden: Vermeidet Sauerstoffkontakt mit Ölen, Fetten
oder anderen nicht sauerstoffgeeigneten Schmierstoffen. Heftigste Explosionen
könnten sonst die Folge sein.
Das bedeutet auch, Tauchflaschen, die mit reinem Sauerstoff oder sauerstoffangereicherten
Gasgemischen gefüllt werden sollen, müssen entweder speziell
dafür geeignet sein (dafür gibt's in Europa schließlich
Normen) oder sorgfältigst inklusive der Ventile entfettet werden.
Ferner müssen sauerstofftaugliche O-Ringe verwendet werden.
Soweit einige allgemeinen Informationen zum Sauerstoff. Und nun zum eigentlichen Problem:
Sauerstoffvergiftung
Klar ist, mit zu wenig Sauerstoff gibt's nicht viel zu Atmen - aber zum Thema Hypoxie vielleicht ein andermal. Mit zuviel Sauerstoff haben wir aber auch nichts zu lachen. Zu hohe Sauerstoffpartialdrucke sind nämlich für den Organismus giftig. Hierbei spielt der Zeitfaktor zwar eine wichtige Rolle, es gibt jedoch erhebliche interindividuelle (.d.h. zwischen den verschiedenen Individuen...) und intraindividuelle (d.h. innerhalb eines Individuums...) Verträglichkeitsunterschiede. Das bedeutet, dass der Maier heute 1 Stunde bei 3 bar Sauerstoffpartialdruck ganz locker wegstecken kann, der Huber aber nach 45 Minuten vielleicht schon hops geht. Das bedeutet aber auch, dass es keineswegs sicher ist, ob nicht der Maier vielleicht morgen schon nach einer dreiviertel Stunde unter 3 bar Sauerstoff zu Schaden kommt!
Akzeptable Sauerstoffpartialdrucke für uns Sporttaucher sind 0,16 bis 1,6 bar.
Beim Presslufttauchen erreichen wir die 1,6 bar Sauerstoffpartialdruck
erst bei 66 m. Da hat eh keiner was zu suchen und wird auch wegen des Tiefenrausches
kaum was finden.
Bei einem sauerstoffangereicherten Atemgas, z.B. Nitrox 40, mit 40%
Sauerstoffanteil und 60% Stickstoff, sind die 1,6 bar jedoch schon in 30
m Tiefe erreicht. Dahin zieht es doch die meisten von uns schon eher. Womit
auch schon klar wird, dass sauerstoffangereicherte Atemgase nichts
für Tieftaucher sind! Die Grenztiefe, englischer und damit moderner
- MOD (Maximum Operating Depth) - lässt sich übrigens leicht
berechnen:
![]()
pO2 = Sauerstoffpartialdruck
fO2 = prozentualer Sauerstoffanteil im Gasgemisch
Sauerstoffpartialdrucke von über 0,5 bar führen bei längerer Exposition zu toxischer Schädigung des Alveolarepithels mit Hustenreiz, Schmerzen hinter dem Brustbein und Atemnot. Die Lungenschäden bezeichnet man auch als Lorrain-Smith-Effekt (L... wie Lunge).
Sauerstoffpartialdrucke von über 2 bar (manchmal auch schon geringere)
wirken toxisch auf das zentrale Nervensystem: Paul-Bert-Effekt (mit B..
wie Beule im Kopf).
Eine ZNS-Vergiftung kann sich durch Kopfschmerzen, Lippenzittern, innere
Unruhe, Ohrgeräusche, Augenflimmern und Schwindel ankündigen,
sie kann aber auch ganz schlagartig als schwerer Krampfanfall in Erscheinung
treten. Ein solcher endet unter Wasser praktisch immer im Chaos....
Bei körperlicher Belastung erhöht sich das Risiko einer Sauerstoffvergiftung
ganz erheblich!
Beim Tauchen mit sauerstoffangereicherten Atemgasen müssen somit
Tiefenlimits und bestimmte Zeitlimits eingehalten werden. Letztere sind
in Erfahrungstabellen zusammengefasst. So beträgt das O2-Zeitlimit
für das ZNS bei 1,6 bar Sauerstoffpartialdruck 45 min und das 24 h-Maximum
150 min.
Das Zeitlimit für die Lungen lässt sich anhand sogenannter
OTUs berechnen (Oxygen Toxicity Units). Auch hierfür gibt es Tabellen,
die insbesondere bei den Berufstauchern Verwendung finden, aber auch für
den Nitrox-Vieltaucher wichtig werden können. Wie man an solche Tabellen kommt, könnt Ihr von den Nitrox-Verbänden
(einfach mal in einer Suchmaschine "Nitrox" eingeben) oder bei mit Nitrox
ausbildenden
Tauchschulen oder natürlich bei mir erfahren.